Ich möchte als erstes darauf hinweisen, dass ich keinesfalls von einem Hollywood Filmchen erwartet habe, eine realistische Darstellung der Dinge zu erreichen. Ich habe diese Filmkritik für diejenigen verfasst, die es interessiert was hinter diesem ganzen Hollywood Kitsch wirklich steckt.
Für die ganz neugierigen habe ich mir die Mühe gemacht die wichtigsten Fehler des Films zu beschreiben.

Als erstes möchte ich meine Filmkritik damit beginnen, darauf hinzuweisen, dass der Film "Die Geisha" auf dem gleichnamigen Roman von Arthur Golden basiert.
Alle im Buch erwähnten Personen sind fiktiv und haben nie existiert - Zitat aus Arthur Goldens Roman "Die Geisha", Gebundene Ausgabe, 1997, Seite 571: "Obwohl die Figur Sayuri und ihre Geschichte frei erfunden sind ...".
Dies möchte ich zu anfang erwähnen, da ich immer wieder mitbekomme dass Leute tatsächlich glauben die Geschichte sei eine Biografie. Die Sayuri die sowohl im Roman als auch im Film beschrieben wird hat nie einen Fuß in die wahre Welt der Geishas gesetzt - genauso wie Jack Dawson und Rose De-Witt-Bukater nie auf dem Deck der Titanic spaziert sind.

Für seinen Roman interviewte Golden die ehemalige Star-Geisha Mineko Iwasaki, die ihm unter dem Versprechen ihre Unterstützung nicht bekannt zu machen, einige Details aus dem Leben als Geisha verriet.
Nun - so heißt es - brach Golden aber sein Versprechen, und lies bekannt werden, dass Iwasaki ihm ein Interview für seinen Roman gewährt hatte. Erschwerend hinzu kam, dass er ihre Erzählungen verfremdete - das Leben der Geishas wurde zu einer flachen Geschichte, die nicht weit hinter die Mauern der Hanamachis blicken lässt.
Iwasaki zog gegen Golden vor Gericht und sah sich veranlasst einige Dinge klar zu stellen und veröffentlichte kurzerhand ihre Autobiografie "Die wahre Geschichte der Geisha". Wer einen realistischen Einblick in die Welt der Geishas erhaschen möchte, dem lege ich dieses Buch sehr ans Herz!


Entstehung des Films

Als ich erfuhr, dass aus Arthur Goldens Roman ein Film gemacht werden sollte, war ich Feuer und Flamme.
Ich konnte es nicht erwarten und verfolgte jede Entwicklung in den Film-Nachrichten. Zu meiner Enttäuschung verzögerte sich der Dreh des Films immer wieder, da ein Regisseur nach dem anderen absprang ... so zog es sich, soweit ich mich erinnere, fast 3 Jahre hin, bis es endlich zu den Dreharbeiten unter Rob Marshall kam.
Nun gut, dachte ich, was lange wehrt wird endlich gut ... aber weitgefehlt.

Die lange Wartezeit brachte schließlich einen Film hervor, der vor opulenten, bunten Effekten, kitschigen, typisch "asiatischen" Klischees nur so strotzt. Ein Film, der eher an einen bunten Vergnügungspark erinnert, der "Asien" zum Thema hat.
Von der Zurückgenommenheit, Schlichtheit und Ruhe Japans ist dieser Film Lichtjahre entfernt. Er gibt nicht im geringsten das wahre Flair Kyotos wieder.

Um es kurz zu machen:
Ich finde ein komplexes Thema und ein Buch im Umfang wie das von Golden, können nicht in einen so kurzen Film gepackt werden.
Es wurden wichtige Details, die zum Verständniss der Thematik unentbehrlich sind, einfach weggelassen. Unwichtige Szenen wurden unverständlicherweise in die Länge gezogen. Dies ist meiner Meinung nach das größte Handicap des Films.
Gefolgt von Fehlern in Details, die wahrscheinlich nicht wirklich wichtig für diejenigen sind, die das Thema Geisha nur oberflächig interessiert.
Wer jedoch tieferes Interesse an der Welt der Geishas hat und sich damit auseinandersetzt, wird mit Sicherheit ebenso Probleme mit diesem Film haben wie ich.
Mir macht es den Anschein, als hätte Rob Marshall das Buch "Die Geisha", das ja eigentlich als Vorlage dienen sollte, nicht einmal in der Hand gehabt.


Wer an einer detaillierten Fehleraufzählung interessiert ist, der kann nun fröhlich weiterlesen.

Ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass ich selbstverständlich von einem Hollywoodstreifen nicht erwartet habe, dass all diese Fehler vermieden werden. Dennoch bin ich der Meinung, dass ein wenig mehr Recherche und die Bereitschaft von alten Klischees loszulassen, einen weitaus besseren Film hervorgebracht hätten.

Wie auch immer, die Fehlererklärung ist für die bestimmt, die sich näher mit dem Thema beschäftigen und sich ins Detail interessieren.


Detaillierte Fehlerbeschreibung

Die nun folgenden Texte basieren auf meinem eigenen Wissen, sowie auf den Hinweisen von Fujika-san, die freundlicherweise ein wenig ihrer Zeit zur Beantwortung meiner Fragen opfert. Hiermit mein Dankeschön an Fujika-san!

Die Besetzung:
Ich finde es absurd, einen Film zu drehen, der im alten Japan spielt und ihn mit hauptsächlich chinesischen Schauspielern, vorallem in den wichtigen Hauptrollen, zu besetzen.
Stefen Spielberg - der den Film produziert hat, aber auch einer der Regisseure ist, die abgesprungen sind - hatte wenigstens noch nach japanischen Schauspielern für die Hauptrollen gesucht.
Doch mit Rob Marshall wurde alles anders. Wie ich aus einem Interview entnehmen konnte, rechtfertigt sich Rob Marshall damit, dass er keine japanischen Tänzerinnen gefunden hat, die an das Können von Zhang Ziyi als Tänzerin herankämen und sie damit die beste Besetzung für Sayuri war. Ich denke, wenn nicht japanische Tänzerinnen etwas von japanischem Tanz verstehen, wer dann?
Diese unglückliche Wahl der Hauptdarsteller verursachte in Japan wie auch in China rößte Empörung. Resultat daraus war eine Verschärfung der Konflikte zwischen China und Japan. Näheres siehe: "Spiegel - Kino"

Allerdings finde ich sind Kürbisköpfchen, Oka-san, der Präsident, Nobu, sowie Chiyo als Kind in ihrer Besetzung sehr gut getroffen und entsprechen zumindest meiner persönlichen Vorstellung der Charaktere aus dem Buch "Die Geisha" - was wohl vielleicht auch daran liegt, das genau diese Charaktere von japanischen Schauspielern dargestellt werden. ;)

Einzelne Szenen:

- in den vielen Szenen lassen Hatusmomo und auch teilweise andere Figuren ihre Kimonos auf dem Boden schleifen. Dies ist absolut undenkbar, wenn man daran weiß, dass Kimonos das Kostbarste sind, das Geishas besitzen - eine Geisha lässt ihre Kimonos niemals auf dem schmutzigen Boden schleifen. Wer sich mit der japanischen Kultur auskennt, wird wissen, dass das Berühren des schmutzigen Bodens ein absolutes Unding ist. Nicht umsonst werden die Straßenschuhe immer (!) ausgezogen bevor man ein Haus/eine Wohnung betritt. Es käme also weder einer Geisha noch normalen Frau in den Sinn ihren Kimono jemals den Boden berühren zu lassen.

- Hatsumomo ist schon am Anfang des Films eine Geisha - so wie auch ihre Freundin, mit der sie sich über Mamehas Kimono hermacht. Der Kopfschmuck der von beiden in dieser Szene getragen wird, ist eindeutig ein Kanzashi das alleine von Maikos benutzt wird.

- in vielen Szenen tragen die Geishas Kimonos mit langen Ärmeln - diese werden in der Realität aber ausschließlich von Maikos getragen. Sie sind angelehnt and die langen Ärmel des Furisode und versinnbildlichen die Jugend der Trägerin. Eine Geisha, und somit erwachsene Frau, trägt ausschließlich kurze Ärmel.

- die Oka-san trägt zuweilen bunte Kimonos - für eine Frau in ihrem Alter unangebracht, in Realität würde dies nicht geschehen. Gedeckte Farben und zurückgenommene Muster wären angebracht.

- Hatsumomo ist oft in ihrem Hauskimono zu sehen - der allerdings in einer Art und Weise gebunden ist, wie es in Japan nur bei zu bestattenden Leichnamen geschieht ... der Kragen ist links über rechts gebunden, statt anders herum. Da Japaner überaus abergläubisch sind, würde auch dies in Wirklichkeit nie geschehn.

- Hatsumomo raucht, während sie den Kimono angelegt bekommt. Absolut unvorstellbar - eine Geisha würde nie riskieren, ihren Kimono durch herunterfallende Asche zu beschädigen. Außerdem ist es laut Aussagen Fujika-sans mehr als unhöflich, in Gegenwart des Ankleiders zu rauchen. Desweiteren trägt Hatsumomo noch nicht ihre Perrücke - was aber der Fall sein müsste. Bevor der Kimono angelegt wird, müssen Makeup und Perrücke bereits sitzen. (Siehe Bild rechts, das Fujika-san beim Ankleiden zeigt.)

- in einigen Szenen tragen Geishas Okobos (erste Begegnung des Präsidenten und Sayuri). Als der Präsident mit den Geishas davonschlendert, sieht man, dass sie Okobos tragen - in Realität ausgeschlossen! Okobos werden nur von Maikos getragen. Erklärung hierfür findet ihr in der Kategorie "Aussehen".

- als Sayuri Kürbisköpfchen an ihrem Debut (das übrigens von allen Szenen der Wahrheit am nächsten kommt) das Shamisen in die Okiya bringt, schleicht sie sich zur Veranda. Der Präsident tritt aus dem Ozashiki heraus und will die Verandaschiebetüre schließen. Dies würde nie geschehen - ein Gast würde niemals irgendeine Türe schließen, noch sonst etwas in der Art tun. Außerdem würde ein Gast niemals ohne Begleitung einer Geisha auf den Korridor treten (Erklärung dazu im Kapitel "Ozashiki").

- San-san-kudo (Sayuri wird Mamehas jüngere Schwester) würde niemals im Freien stattfinden und ist um einiges komplizierter und förmlicher als im Film gezeigt.

- Sayuris Debut als Maiko: sie trägt einen bunten Kimono, während die anderen - Oka-san, Mameha und so weiter - einen schwarzen Kimono tragen. Es müsste genau andersherum sein. Die Maiko trägt zu ihrem Debut den typischen schwarzen Kimono, mit den Familienwappen der Okiya. Ihre One-san, die ältere Schwester ebenfalls, da sie mit der Maiko im Mittelpunkt steht - sie führt sie schließlich in die Gesellschaft ein.
Die anderen Personen tragen alle gedeckte, mitunter pastellige Farben. So steht die Maiko in ihrem kontrastreichen Kimono im Mittelpunkt.

- der erste Tanz den Sayuri im Teehaus aufführt, erinnert eher an das Jonglieren eines Clowns und hat mit echtem japanischen Tanz nichts zu tun. Die Fächer werden auch niemals mittels eines Fingers gedreht, so wie es manche Clowns mit Tellern tun. (Hatsumomo wiederholt dies sitzend neben den Gästen und erntet Beifall ... äh, hallo? )
Im rechten Bild sieht man nochmal eine Szene in der der Fächer um den Finger gedreht wird - außerdem, nebenbei bemerkt: Tanzunterricht in Unterkimonos (nagajuban - also Unterwäsche!) gibt es so mit Sicherheit nicht.
Wer sehen möchte, wie Geishas und Maikos tatsächlich tanzen schaut einfach bei YouTube rein und sucht nach "Maiko". Da dürftet ihr fündig werden.

- eine Maiko würde auch nie bei ihrem ersten Ozashiki alleine einen Tanz aufführen (Grund dafür ist im folgenden Punkt genannt).

- am Abend des Debut Sayuris als Maiko, sitzt Sayuri sofort alleine bei Gästen und schenkt ihnen ein, noch dazu plaudert sie fleißig drauflos und macht sich über Hatsumomo lustig. In Wahrheit sieht eine Maiko, gerade am Anfang, ihrer älteren Schwester lediglich zu. Schließlich heißt ihre Ausbildung wörtlich übersetzt: "Lernen durch Zusehen"!
In diesem Stadium - also als frisch debütierte Maiko - ist es unmöglich schon in einer derartigen Art und Weise auf Banketts zu sprechen. Und eine im Rang höhere Geisha zu beleidigen wäre höchstwahrscheinlich das Aus der Karriere der Maiko.

- Mameha und Sayuri haben oft gleichlange Ärmel. Wie gesagt, Maikos haben grundsätzlich lange Ärmel, Geishas immer kurze. Außerdem kann man in dem folgenden Bild auch sehen, dass die Kimonos gebunden wurden, als wären ihre Trägerinnen normale Frauen. Wenn das das Ziel war, so ist auch dies nicht gelungen - die Kimonos müssten im Falle von normalen Frauen kurz über den Knöcheln enden - sie hängen aber schlampig über die Schuhe. Daher ist dies weder der gebundene Kimono einer normalen Frau, noch der einer Geisha (siehe Bilder rechts) - sondern irgendetwas, undefinierbares dazwischen. Man sieht hier auch sehr schön, dass Mamehas Obi breiter ist, als der von Sayuri. Es sollte eigentlich anders herum sein. Erklärungen hierfür findet ihr in der Kategorie "Aussehen" unter "Kimono".

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- die Szene des Miyako-Odori ist absolut schockierend. Es erinnert mich persönlich eher an ein chinesisches Moulin Rouge als an das echte Miyako Odori.
Diese Blumengirlanden gibt und gab es so nicht. Maikos jonglieren und drehen die Fächer mit einem Finger - gibt es ebenfalls so nicht. Die Laternen sind mit Katakana Schriftzeichen beschriftet (welche eigentlich nur für ausländische Worte verwendet werden) - dies stimmt so ebenfalls nicht. In Realität ist auf den Laternen lediglich das Zeichen Gion-Kobus zu sehen. Das Make-up der Maikos erinnert an eine chinesische Oper - zu viel Pink im Gesicht.
Des weiteren ein absolut grober Fehler:
Sayuri ist Maiko - trotzdem tanzt sie bei ihrem ersten Miyako-Odori bereits einen Solotanz. Nach Aussagen von Fujika-san ist das unmöglich. Alleine Geishas im höheren Alter, mit sehr großer Erfahrung, haben die Möglichkeit ein Solo beim Miyako Odori zu tanzen. In diesem Bild, seht ihr, wie das Miyako-Odori eigentlich aussieht. Maikos tanzen in Gruppen, das Bühnenbild ist mit Kirschbäumen versehen - es hängen also keine Vorhänge aus Blumengirlanden herunter, die die Sicht auf die tanzenden Maikos verdecken. Und dies ist nicht nur bei der hier abgebildeten Vorstellung so. Wer sich einmal nach Miyako-Odori Bildern umsieht, wird nie derartige "Vorhänge" finden (siehe Bild).

- nun zu Sayuris Tanz selbst:
mit traditionellem japanischen Tanz hat das absolut nichts zu tun! Es erinnert am Anfang an Kabuki, vorallem durch den Steg auf dem Sayuri hereinläuft. Diese Art Bühne kenne ich nur aus dem Kabuki. Die Anlehnung an Kabuki wäre ja noch akzeptabel gewesen. Was aber dann folgt, ist einfach nur modern interpretierter Tanz. Und dann die Schlussszene ... eine Maiko würde sich erstens nie in dieser Art auf dem Boden verbiegen. Zweitens wäre eine derartige Haltung in Yoga-Manier mit einem echten Kimono gar nicht möglich.
Alles in allem erinnert mich Miyako-Odori in diesem Film eher an einen chinesischen Zirkus: extrem pink-weißes Makeup, wie man es aus chinesischen Opern kennt, Fächer werden wie Teller auf dem Finger gedreht und Sayuri verbiegt sich wie es oft kleine Mädchen in chinesischen Artistikgruppen tun ... DAS japanischen Tanz zu nennen gleicht einer Beleidigung.

- Nach dem Miyako Odori gibt es üblicherweise keine Feier. Die Szene im Film erinnert eher an Feiern nach einer Oper im 19. Jahrhundert. Hier ebenfalls wieder: Sayuri steht im Mittelpunkt, wird gefeiert - das gibt es so für eine Maiko in Wirklichkeit einfach nicht.

- Was mich stört, ist der fließende Übergang von Sayuri als Maiko und ihrem Leben als Geiko. Die wichtigste Zeremonie erikae, durch die Sayuri zur Geisha würde und die damit eine der wohl wichtigsten Szenen wäre, fehlt komplett!

- Mamehas Wohnung erinnert an heutige moderne Einrichtung. Organza Vorhänge in der Art gab es so nicht. Zumindest nicht im alten Japan. Das gleiche findet man später wieder im Haus des Baron - einfach nur überladener Asia-Kitsch.

- das Haus des Barons ist von außen absolut super getroffen und entspricht der damaligen japanischen Architektur. Ich war positiv überrascht.
Aber als die Tür aufgeht ... Schiebetüren die mit Satinstoff bezogen sind? Da hat man wieder mal einiges durcheinandergebracht...

- ein weiterer Fehler ist, dass der Baron Sayuri niemals so schnell aus ihrem Kimono "auswickeln" hätte können. Wer sich mit dem Anlegen eines Kimonos beschäftigt hat, weiß, wie schwer es ist in anzulegen, und auch genauso schwer in wieder auszuziehen. Es gibt unheimlich viele Details, Bänder und der gleichen. Ohne Grund benötigen Geishas nicht die Hilfe von Ankleidern ...

- und weil wir gerade bei Kimonos sind: im gesamten Film sind die Kimonos zu lose gebunden. Besonders bei Sayuri fällt dies immer wieder besonders auf. Ihr Kimono wirft unschöne Falten und sitzt einfach nicht richtig (siehe Bild - vorallem an den Schultern fällt es auf). Oft sind die Kimonos auch verknittert, was in Wahrheit nie passieren würde - verknitterte Kimonos ließen darauf schließen, dass die Trägerin sich nichts aus ihrem Erscheinungsbild macht. Und das würde bei Geishas nie passieren... Vergleich Sayuri und Fujika-san als Maiko.

- wie die Mizuage dargestellt wurde, enttäuscht mich sehr. Es ist eine weitaus kompliziertere Angelegenheit zur damaligen Zeit. Die Maiko legt sich nicht einfach hin und das wars ... die Mizuage war eine mehrtägige Zeremonie.

- die einzige Szene in der Sayuri ein geschmackvolles und authentisches Kimono-Ensemble trägt, ist die Szene am Flughafen. Hier trägt sie einen schlichteren Kimono.
Zuvor trug sie weiterhin die Aufmachung einer Maiko - oder zumindest das, was Rob Marshall darunter versteht ...

- die Onsen-Szene mit den Amerikanern ist schockierend und absolut absurd. Zumindest was echte Geishas betrifft. Es gibt sogenannte Onsen-Geishas - aber die sind eine Klasse für sich. Nacktbaden wie es im Film zu sehen ist, war für Kyotoer Geishas ausgeschlossen.

- Mameha läuft auf offener Straße mit losen Haaren herum. Wäre zu der Zeit unmöglich und vulgär gewesen. Genauso wie es bei uns im 19. Jahrhundert unmöglich war, als erwachsene Frau auf der Straße mit offenem Haar herumzulaufen.

- nun zum Makeup, dem ich keine Szene zuordne, da es sich durch den gesamten Film zieht: Im gesamten Film wird auf das authentische Makeup der Geishas und Maikos verzichtet. Verwendet wurde eine transparentere Form des weißen Makeups. Fujika-san wies darauf hin, dass dem Makeup der Kontrast fehlt. Es werden nur zwei der drei glücksverheißenden Farben verwendet, wenn es um das Augen- und Augenbrauen-Makeup geht. Im Film werden die Augen und die Brauen nur mit Schwarz akzentuiert - "Dies gibt dem Gesicht einen leicht gespenstischen Ausdruck. In Wahrheit verleiht ein leichter Rotton eine gewisse Wärme und Weichheit" so Fujika-san (Fujika-san im rechten Bild).

- tja, die Frisuren ... was soll man da sagen. Im gesamten Film trägt nur eine einzige Person in einer einzigen Szene eine richtige Maiko Frisur. Es handelt sich um Kürbisköpfchen an ihrem Debut als Maiko. Hier trägt eine Wareshinobu Frisur.
Alle anderen Frisuren des Films existieren und existierten in dieser Form nicht!
Vorallem Sayuris "Maiko-Frisur" ist unmöglich. Ein einfacher Dutt, die Vorderpartie streng zurückgenommen. Diese Art Frisur würde noch eher zu Oka-san passen, einer alten Frau, als zu einer jungen Maiko. Im Bild seht ihr den Vergleich.
Genau wie bei ALLEN Geishafrisuren, ist auch bei den Maikofrisuren in Wahrheit die Vorderpartie der Haare voluminös drapiert. Die Haare bilden von vorne gesehen 3 Teile. Bei Sayuri ist nichts dergleichen zu erkennen.
Zwar muss man zugute halten, dass sie wenigstens ein bira-bira-kanzashi trägt (das silberne). Nur alle anderen Kanzashi - oder sagen wir das eine Kanzashi das sie außerdem besitzt (obwohl sie etliche haben sollte ... ) sieht billig aus.
Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es nicht viel Budget gekostet hätte, ordentliche Perrücken für die Darstellerinnen und echte Kanzashis zu besorgen. Zumindest ein Hollywood Budget hätte das mit Sicherheit nicht überstiegen - kann man doch echte katsuras schon für um die 150,- Euro bei gewissen Internet-Auktionshäusern erwerben.
Meiner Meinung nach hätten authentische Frisuren sowie authentisches Makeup eine Menge zur Qualität des Films beigetragen und das Ruder vielleicht noch herumgerissen.

Folgende Punkte fand ich persönlich dagegen sehr gut umgesetzt:

- Mameha zeigt Sayuri wie man sich niederkniet und verbeugt. Die Verbeugung ist richtig ausgeführt. Die Finger berühren den Boden, nicht die gesamte Hand - Arme werden am Körper gehalten. Gut gemacht! ; )
- mir hat Kürbisköpfchens Debut sehr gut gefallen, sie trug in dieser Szene das erste und das einzige Mal eine echte Maikofrisur.
- schön war auch das Detail des glücksverheißenden Steineklopfens, über der Schulter der Geishas und Maikos, wenn sie das Haus verlassen.
- und ich fand auch, dass Kürbisköpfchen am Schluss ziemlich gut wiedergegeben wurde - sie entsprach zumindest meiner Vorstellung von einem ausgeflippten und von Amerika beeinflussten Mädchen der damaligen Zeit. 30er Jahre Frisur, bunter Kimono, das schrille Makeup - fand ich sehr gelungen. : )

Das ist aber leider (zumindest aus meiner Sicht) schon alles, was es an Positivem über diesen Film zu sagen gibt.

So für diejenigen, die es bis hierher geschafft haben:
Ookini! Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.
: ) *verbeug*

Filmkritik

Die Geisha