In Japan werden seit 1955 auch Personen als "nationales Kulturerbe" bzw. Kulturschatz bezeichnet.
Die erste Person, die zum nationalen Kulturschatz ernannt wurde, war Inoue Yachiyo IV (bürgerlicher Name: Okamoto Aiko). Sie war die Großmeisterin der Kyotoer Tanzschule des Inoue Stil.
In Gion Kobu geboren, begann sie bereits im zarten Alter von 4 Jahren mit dem Studium des japanischen Tanzes.
Als ihre damalige Tanzlehrerin ihr Talent entdeckte, brachte sie diese in das Haupthaus der Inoue Schule. Die damalige Iemoto, Inoue Yachiyo III, war beeindruckt von dem Talent des Kindes und nahm es in die Schule auf.
In der Inoue Schule gibt es zwei Ausbildungsbereiche - der eine für Tänzerinnen, die Maikos und Geikos, der andere für die Ausbildung zur Tanzlehrerin. Die kleine Aiko wurde dem Zweig der Tanzlehrerinnen zugewiesen.
Die Erwartungen der Iemoto wurden nicht enttäuscht - Aiko entwickelte sich zu einer herausragenden Tänzerin.
Als Aiko 25 Jahre alt war, heiratete sie den Enkel der Iemoto, Kuroemon Katayama. Er war der Iemoto der Kanze-Schule des No-Theaters.
In den 40er Jahren wurde Aiko dann zur Nachfolgerin der Iemoto Inoue Yachiyo III gewählt, und erhielt ihren Namen: Inoue Yachiyo IV.
Ihre Enkelin Michiko folgte dem Vorbild der Großmutter und studierte ebenfalls den Inoue Tanzstil. Im Jahre 2000 wurde Michiko dann zur neuen Iemoto ernannt und nahm den Platz ihrer Großmutter ein, unter ihrem neuen Namen Inoue Yachiyo V.
Die ehemalige Großmeisterin Inoue Yachiyo IV verstarb 4 Jahre nachdem ihre Enkelin ihren Platz eingenommen hatte, im Jahr 2004.
Die Inoue Schule gilt als die Bolshoi der Geisha Welt - die Großmeisterin, die Iemoto, ist die mächtigste Person in der Tanzwelt. Sie bildet den Maßstab, an dem alle Tänzerinnen gemessen werden.
Andere Hanamachis haben mehrere Tanzschulen - Gion Kobu hingegen nur die Inoue Tanzschule. Die Iemoto der Inoue Tanzschule ist nicht nur die mächtigste Person was die Tanzwelt angeht. Sie entscheidet über den herrschenden guten Geschmack und Stil der Geisha Welt.
Es heißt, dass die Maiko das Symbol Kyotos ist, doch die Iemoto der Inoue Schule entscheidet darüber, wie dieses Symbol auszusehen hat. Wenn es um die Herstellung von Fächern, Kimonos und anderen Handwerken der Geisha Welt geht, so wird man sich an den Geschmack und den Stil der Iemoto anpassen.
Die Inoue Schule wurde um 1800 von Sato Inoue gegründet. Sie war Hofdame des kaiserlichen Hofes. Als Lehrerin des Adelshauses Konoe unterrichtete sie die verschiedenen Tänze, die zu höfischen Zeremonien dargeboten wurden.
Als 1869 die Hauptstadt von Kyoto nach Tokyo verlegt wurde, erhielt die Inoue Schule den Auftrag dafür zu sorgen, dass Kyoto dennoch den Titel der kulturellen Hauptstadt behielt. Man plante eine Image-Kampagne für die alte Kaiserstadt und es entstand die erste Aufführung der Miyako Odori, die durch die dritte Iemoto der Inoue-Schule, Haruka Katayama. Von da an, fanden die Miyako Odori (=Tänze der Hauptstadt") jedes Jahr statt.