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“Wenn der Farbton eines Kimonos nicht der Jahreszeit entspricht, wenn er im Frühling nicht zu den Blumen passt und im Herbst nicht zur Färbung des Laubes, dann war die ganze Mühe so vergeblich wie der Tau.”
Shikibu Murasaki, “Abenteuer des Prinzen Genji”, 11. Jahrhundert
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Kitsuke nennt man die Kunst, einen Kimono anzulegen.
Denn einen Kimono anzulegen, heißt mehr, als einfach nur ein Kleidungsstück anzuziehen. Ersteinmal gehören viele Kniffe dazu, den Kimono in Form zu Binden. Man möchte es kaum glauben, wieviele Hilfsmittel sich unter diesem Kleidungsstück verbergen, um es in die richtige Form zu bringen und auch über längeren Zeitraum in dieser From zu halten.
Doch nicht nur das Binden selbst ist die Kunst, sondern auch die Wahl des Kimonos und seiner Accessoiries. Jedes Detail, das Material, die Farbe und die Art des Kimonos müssen auf den Anlass und die jeweilige Jahreszeit abgestimmt sein, auch das Alter, der Familienstand und gegebenenfalls die Stellung der Person, die den Kimono trägt, müssen bedacht werden.
Leider tragen nicht mehr viele Frauen den Kimono - häufig nur noch zu zeremoniellen Anlässen wie der Feier der Volljährigkeit oder Hochzeiten. Die meisten Frauen besitzen selbst meist keine Kimonos mehr. Dennoch gibt es auf der anderen Seite auch wieder einige Frauen, die die Liebe zu Kimonos wieder entdecken und alte Zeiten aufleben lassen, in denen Kimonos noch zur Alltagskleidung zählten. Nicht nur Japanerinnen, auch mehr und mehr Nicht-Japanerinnen beschäftigen sich mittlerweile mit der Kunst des kitsuke.
Interessiert man sich für dieses Thema, so hat man in Japan die Möglichkeit Kitsuke-Schulen zu besuchen, in denen die verschiedenen Bindearten und alle Regeln der Farbkombination, Stoffarten etc. vermittelt werden. Die wohl bekannteste Schule ist die Sodo Kimono Akademie.
Allerdings kann man sich die grundlegenden kitsuke Regeln mit viel Recherche und sehr viel Übung auch selbst beibringen.
Ich beschäftige mich jetzt seit einigen Jahren mit kitsuke und sammle Kimonos, die ich wann immer möglich trage - zum Beispiel zu japanischen Festen, Geburtstagsfeiern oder ähnlichen festlichen Gelegenheiten.
Da mich dieses Thema immer mehr beschäftigt und ich es gerne anderen näher bringen möchte, widme ich diesem Thema einen Teil dieser Homepage. Immerhin sind Kimonos auch ein enorm wichtiger Bestandteil der Welt der Geishas.
In der Kategorie Kitsuke sind Erklärungen zu den verschiedenen Accessoires, den Bindetechniken und eingiges mehr zu finden.
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Der Kimono und seine Geschichte
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Seit 1200 Jahren, seit die Hofdamen in der Nara-Zeit den Vorläufer des Kimonos von der chinesischen Tang-Dynastie übernahmen, hat sich sein Aussehen kaum verändert. Die Zahl der Roben, die man übnereinander trug, hat sich verringert: In der Heian-Zeit (794-1185) hatte man zwölf ungefütterte Kimonos an, heute sind es nur noch zwei, nämlich das Unterkleid (nagajuban) und der eigentliche Kimono.
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Mono bedeutet Sache, und fügt man es an das Wortbestandteil ki (von kiru = tragen), so bedeutet Kimono ursprünglich einfach nur Kleidungsstück. Doch nicht alle Kleidungsstücke werden in Japan als Kimono bezeichnet. Die wichtigste Unterscheidung die heutzutage gemacht wird , ist die zwischen Yofuku (= westliche Kleidung) und Wafuku (= einheimische Kleidung).
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Der Kimono ist nicht nur kleidsam sondern auch in seiner Herstellung praktisch, da er für Frauen und Männer nach dem gleichen Grundschnitt aus einzelnen 36 Zentimetern breiten Stoffbahnen genäht wird. Somit haben alle Kimonos eine einheitliche Größe und überschüssige Länge beim Frauenkimono kann gegebenenfalls in der Taille hochgenommen und vom “Obi” gehalten werden. Da auch die Weite auf diese Art beliebig verändert werden kann, passt ein Kimono fast immer.
Natürlich gilt dies für Japanerinnen. Wir westlichen Frauen tun uns manchmal etwas schwer einen passenden Kimono zu finden. Besonders was die Länge betrifft, hat man ab einer Körpergröße von 165 cm, schon manchmal seine Schwierigkeiten.
Der Kimono sollte nämlich niemals viel kürzer sein, als die eigene Körpergröße. Ich bin beispielsweise 167 cm groß - meine Kimonos sollten auf keinen Fall kürzer als 157cm sein. Diese 10cm sind die Grundregel. Denn nur wenn der Kimono die richtige Länge hat, kann er auch traditionell mit dem ohashiroi (der Falte under dem Obi - siehe Bild) gebunden werden. Und das ist enorm wichtig für das typische Aussehen und die Passform.
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Das Muster des Kimonos ist sehr wichtig. Es muss zu der jeweiligen Jahreszeit passen, so z. B. Kirschblütenmuster im Frühling, kleine Forellen im Sommer, Ahornblätter im Herbst. Aber es gibt auch gezieltere Unterscheidungen, Muster die nur auf einen einzigen Monat zutreffen, wie beispielsweise: Kiefern im Januar, Pflaumen im Februar, Iris im Mai.
Die Abstimmung auf die Jahreszeit als auch auf das Alter und den Familienstand der Trägerin ist enorm wichtig - nichts ist peinlicher, als beispielsweise eine Kombination aus einem Kimono der dem Frühling zugeordnet ist und einem Obi der den Herbst repräsentiert, oder zum Beispiel, eine verheiratete Dame, die den Kimono einer jungen, unverheirateten Frau trägt.
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Zwar wurde das Prinzip des Kimonos im Großen und Ganzen immer beibehalten, so beugt sich aber auch der Kimono der Mode. Man kann deutliche Unterschiede zwischen Kimonos aus vergangenen Zeiten, wie zum Beispiel der Meiji und Taisho Epoche, und den heute hergestellten Kimonos erkennen. (Links: Taisho, Rechts: Meiji). Ich werde in einem gesonderten Kapitel näher auf die Kimono Mode im Wandel der Zeit eingehen.
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