geisha

Als erstes möchte ich darauf hinweisen, dass diese Zeremonie, die den Übergang der Maiko zur Geiko markierte, heute nicht mehr existiert.

Die mizuage wurde noch bis zum zweiten Weltkrieg vollzogen - zu einer Zeit, in der Japanerinnen im Teenager Alter heirateten und man es für nötig befand, die Maiko einer solchen Zeremonie zu unterziehen. Wurde ein Mädchen durch seine Heirat zur Frau, so bedarf es einer Zeremonie, um die Maiko zur Frau werden zu lassen - denn heiraten konnte sie nicht.
Lesley Downer verglich die mizuage mit der rituellen Beschneidung eines Jungen in manchen Religionen - "schmerzhaft, aber nicht zu vermeiden, war auch die mizuage ein Initationsritus".

Hatte die Maiko bereits einen danna, so war in diesem Falle er es, mit dem sie die Zeremonie vollzog. Hatte sie keinen danna, so wählte die Okasan einen Mann mit hohem Ansehen in den Hanamachis aus, der diese ehrenvolle Aufgabe übernehmen sollte. Mit dieser Aufgabe war immerhin eine große Verantwortung verbunden - so wählte die Okasan keinen jungen Mann. In Frage kamen ausschließlich Stammkunden der Teehäuser, die schon jahrzehntelang Banketts abhielten und denen das Vertrauen der Okasans sicher war.
Der auserwählte Mann wurde mizuage-danna genannt und war die Zeremonie beendet, so war auch die Beziehung zu der betreffenden Dame beendet - seine Aufgabe war erfüllt.
Die Zeremonie selbst, dauerte sieben Tage - der eigentliche Vollzug geschah aber erst am siebten Tag - die Tage zuvor waren dazu gedacht, um die Maiko an die Situation zu gewöhnen und zu beruhigen.
Fragt man ältere Geikos, die diese Zeremonie noch selbst erlebt haben, so war es in ihren Augen keine Vergewaltigung. Liza Dalby beschreibt in ihrem Buch "Geisha" die mizuage Zeremonie in ihren Details. Es scheint, als habe man einiges getan, um es der Maiko so erträglich wie möglich zu machen. So war beispielsweise eine Vertrauensperson während dieser sieben Tage immer im Nebenzimmer und gab hin und wieder ein kleines Geräusch, ein Rascheln oder Räuspern, sodass die Maiko wusste, dass jemand in der Nähe war.

Die Mizuage war Synonym des Erwachsenwerdens.
Man bezeichnete damals eine jungfräuliche Geisha als einen ebensolchen Wiederspruch, wie eine jungfräuliche Ehefrau.
In diesen Zeiten wurden die meisten Ehen noch arrangiert und oft bekam eine Braut ihren zukünftigen Mann das erste Mal am Hochzeitstag zu Gesicht. Für sie konnte die Hochzeitsnacht nicht viel anders gewesen sein, als die mizuage, denn auch sie musste mit einem Mann die Nacht verbringen, der praktisch ein Fremder war. Der einzige Unterschied bestand darin, dass der Ehemann, zumindest finanziell immer für sie sorgen würde - anders als der mizuage-danna, den die Maiko nach der Zeremonie nie wiedersehen würde.


Wer sich für die Einzelheiten interessiert, für den wird Liza Dalbys Buch "Geisha" interessant sein - ich möchte auf der Homepage nicht allzu sehr ins Detail gehen, da ich niemandem zu Nahe treten möchte und es sein kann, dass sich Minderjährige durch die Homepage lesen.

Der Beitrag über die Mizuage ist nicht allzu umfangreich. Wie gesagt könnte man mehr ins Detail gehen - meine Absicht war es lediglich ein wenig Klarheit über dieses Thema zu verschaffen, da ich von einigen Besuchern der Homepage bereits darauf angesprochen wurde. Anscheinend hat gerade der Film "Die Geisha" einige Verwirrung über das Thema verursacht.
Anders als der Film es darstellt, handelte es sich aber um keine brutale Handlung, es war keine Vergewaltigung. Liest man Erfahrungsberichte älterer Geikos, so wird dies klar.
Die mizuage gehörte damals zum Leben einer Geiko, sie war eine Tradition, die hingenommen wurde. Auch wenn sie in unseren Augen barbarisch sein mag.

Heute existiert diese Zeremonie nicht mehr.
Ältere Geikos, die die mizuage noch erlebt haben, sind froh diese Tradition beendet zu sehen. Ihre Töchter sollen ihre eigenen Erfahrungen machen können - gelten die Geishas doch als emanzipierte Frauen, die fest im Leben stehen, so entscheiden sie heute auch selbst über ihre Privatsphäre und ihre Beziehungen zu Männern.

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